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11.12.2015, 10:09 Uhr

Leserbrief zu „in den Dreck“ vom 04.12.2015

In unserer demokratischen Diskurskultur ist es verwunderlich, wenn Argumente, die nicht passen, mit „in den Dreck ziehen“ bezeichnet werden. Da wird von meiner Mitbewerberin aber schnell die argumentative Notbremse gezogen.

Fakt ist, dass man ohne die engagierte Lehrerschaft die von mir angesprochenen strukturellen Missstände an den Gemeinschaftsschulen gar nicht in den Griff bekäme. Selbst Prof. Bohl, der den Gemeinschaftsschulen sehr wohlwollend gegenübersteht, spricht im Tagblatt von erheblichen Herausforderungen für Gemeinschaftsschullehrer, die angesichts der Heterogenität der Schülerschaft noch zu stemmen sind.

Aber nicht nur an den wenigen Gemeinschaftsschulen im Land gibt es engagierte Lehrer.  Die Übergangsquote von Grundschule zu Gymnasium liegt in Tübingen bei 70 (!) %. Daran hat sich auch nach Einführung der Gemeinschaftsschulen nichts geändert. Das spricht für die hohe Qualität der Lehrenden an unseren beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien.

Alle Lehrkräfte, auch die an den anderen nach wie vor existierenden Schularten, gehen empathisch und individuell auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler ein. Das dürfte wohl außerhalb jeder Diskussion stehen.

Aber viele der vorhandenen Gemeinschaftsschulen im Land haben mit den gleichen fehlenden Schülerzahlen zu kämpfen wie ehedem die Hauptschule. Für die für Gemeinschaftsschulen wichtige Sekundarstufe II gibt es z.Z. nur an einer Schule in Baden-Württemberg, in Konstanz, genügend Schüler. Zudem müsste in Tübingen für die angedachte Sekundarstufe II praktisch neben den vorhandenen Gymnasien ein weiteres gebaut werden.

Unklar für Eltern, Lehrkräfte, Schüler, Gemeinde- und Kreisräte ist, wohin die rosa-grüne Reise in der Bildungslandschaft geht. Die jetzige Landesregierung sagt allen Schularten uneingeschränkt Stärkung zu. Glaubwürdig? Beim Grünen Parteitag steht der Antrag für die flächendeckende Einführung der Einheitsschule und damit zur vollständigen Abschaffung von Realschulen und Gymnasien. Wollen wir das wirklich?

 Klaus Tappeser

CDU Landtagskandidat