Innenstadtstrecke - zugegeben nicht mein Lieblingsthema. Dabei kann ich nur die falsche Meinung vertreten. Der 26. September 2021 wird das Leuchtfeuer der Demokratie. Nicht wegen einer nebensächlichen Bundestagswahl, die frecherweise am gleichen Tag stattfindet, sondern wegen dem einen Bürgerentscheid, der über das Stadtbild von Tübingen, die Mobilität des Landkreises und die Zukunft des regionalen Pendlerverkehrs entscheidet.

Um den Volkswillen zu stärken oder um sich vor Entscheidungen in kontroversen Angelegenheiten zu drücken, wurde beschlossen, dass die Tübinger Bürgerschaft über die Innenstadtstrecke abstimmt. Entweder JA zu einer ewigen Baustelle, die sich wie eine Wunde durch die Stadtmitte zieht. JA zu einer unabsehbaren Verschuldung in Zeiten leerer Kassen. Oder eben NEIN, ich wohne ja schon in Tübingen, da muss ich ja nicht mehr hin. Außerdem NEIN, weil wieder niemand an die Fahrradfahrer denkt, die ja dann aufpassen müssen, wo sie hinfahren. Auch wenn jede Entscheidung gut begründbar ist, so stört mich an der Diskussion am meisten, dass oft gerade diejenigen sich gegen die Innenstadtstrecke aussprechen, die sonst schon fast ausschließlich für den Klimaschutz eintreten. Gerade diejenigen, die für die Verbannung des individuellen PKW-Verkehrs in der Stadt einstehen und niedrigere Mieten in Tübingen fordern. Die Regionalstadtbahn kann unser großer regionaler Umweltbeitrag werden und ist schon jetzt das Mobilitätsprojekt unserer Generation. Das Gelingen dieses Projekts hängt maßgeblich davon ab, ob die Menschen in den umliegenden Gemeinden dahin kommen, wo sie hinkommen wollen und müssen. Haben uns ein Berliner Flughafen und ein Stuttgarter Bahnhof so abgeschreckt, dass wir keine visionären Projekte mehr in Angriff nehmen? Reicht unser Umweltbewusstsein und unsere Verantwortung für unsere ländlichen Mitbürger und städtischen Mieter nur bis zur Wahlurne aber nicht darüber hinaus? Ich bin stolz, dass sich die CDU-Fraktionen in Kreistag und Gemeinderat trotz der kontroversen Debatten klar für die Innenstadtstrecke aussprechen. Jede Tübinger Wählerin und jeder Wähler müssen sich beim Bürgerentscheid darüber bewusst sein, dass sie auch für jeden Berufspendler, Student, Patient oder Tourist männlich wie weiblich außerhalb Tübingens mitabstimmen. Wenn diese Menschen am 26. September eine Stimme hätten, wäre die Wahl bereits entschieden.

Klaus Tappeser
CDU Kreistagsfraktion Tübingen

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