10.02.2012 Kinder ja - Rente nein

Kolumne von Parl.StS Annette Widmann-Mauz MdB im Schwäbischen Tagblatt vom 10. Februar 2012

Am 20. Februar findet der Welttag der sozialen Gerechtigkeit statt. Manch einer mag denken: Na und? Unsere Lebensbedingungen sind doch im internationalen Vergleich sehr gut?! – ja, aber nicht unbedingt für alle.
Die Renten werden zukünftig nicht mehr so stark steigen wie bisher. Auf die gesetzliche Rente allein setzen deshalb heute die Wenigsten. Doch bleibt gerade die gesetzliche Rente nach wie vor der Grundstock für einen gesicherten  Lebensabend. Mit Blick auf die Frauen ist allerdings zu sagen: In Deutschland beziehen Frauen um 59,6 % geringere eigene Alterssicherungseinkommen als Männer. Es scheint, als ob sich die Entgeltlücke der Erwerbseinkommen später in der Rente fortsetzt. Deshalb ist es notwendig und richtig, dass Bundesarbeitsministerin von der Leyen mit dem Rentendialog dieses Thema anpackt.
Blicken wir dreißig Jahre zurück. Damals wiesen Frauen in Folge der Geburt ihrer Kinder weit größere Lücken in ihrer Erwerbsbiografie auf als heute. Der Erziehungs“urlaub“ mit dem Rechtsanspruch auf Arbeitsplatzgarantie wurde erst 1986 eingeführt. Zuvor mussten Frauen acht Wochen nach der Geburt ihres Kindes an den Arbeitsplatz zurückkehren oder kündigen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Jobsharing waren Fremdwörter und flächendeckende Ganztagesbetreuungsangebote die Ausnahme.
Familienleistungen wurden in der Rentenversicherung 1986 unter der christlich-liberalen Bundesregierung eingeführt. Für vor 1992 geborene Kinder erhalten Frauen seither maximal je einen Entgeltpunkt, d.h. eine monatliche Rente von 27,47 Euro, für später geborene Kinder sind es derzeit bis zu 5,3 Punkte, d.h. 145,59 Euro. Ich empfinde es als ungerecht, dass Mütter in Rente gehen, die mit der Erziehung ihrer Kinder eine unverzichtbare Leistung zum Generationenvertrag beigetragen haben, für ihre Kinder aber so deutlich unterschiedliche Entgeltpunkte angerechnet bekommen und damit häufiger auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden.
Deshalb setze ich mich gemeinsam mit den Frauen in der CDU dafür ein, dass für Neurentnerinnen und Neurentner, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, weitere  Entgeltpunkte angerechnet werden. Nur so lässt sich eine Gerechtigkeitslücke zu jüngeren Eltern und Kinderlosen schließen und Altersarmut von Frauen bekämpfen.

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