14.01.2011 Kein Kavaliersdelikt

Kolumne von StS Annette Widmann-Mauz MdB im Schwäbischen Tagblatt

Was für Eier und wie viele habe ich zuletzt gegessen? Diese Frage stellen sich nicht wenige. Jeder Fünfte verzichtet derzeit auf sein Frühstücksei. Auch wenn der maßvolle Verzehr von dioxinbelasteten Eiern oder Fleisch keine akute Gesundheitsgefahr darstellt, reagieren wir zu Recht sensibel, wenn es um die Sicherheit unserer Lebensmittel geht. Es ist richtig, belastete Produkte sofort aus dem Handel zu nehmen und die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Panschen ist kein Kavaliersdelikt. Wer aus Profitgier vorsätzlich mit unserer Gesundheit spielt und ahnungslose Landwirte hinters Licht führt, muss hart bestraft werden. Tausende Höfe – davon einzelne in Baden-Württemberg – wurden gesperrt und mit Hochdruck überprüft. Trotz vieler Entwarnungen wiegen der Vertrauensverlust und der wirtschaftliche Schaden schwer. Das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ muss auch für die Lebensmittelbranche gelten. Vertrauen und Kontrolle gehören zusammen.
Verbraucherschutz hat absoluten Vorrang! Um schwarze Schafe in der Lebensmittelproduktion schneller zu identifizieren, müssen die aufgetretenen Schwachstellen beseitigt werden. D.h.: Noch mehr Transparenz und Kontrolle. Die gute Kontrollqualität und Ausbildung zusätzlicher Lebensmittelkontrolleure in Baden-Württemberg weist in die richtige Richtung. Richtig ist auch, dass Verbraucherschutzministerin Aigner die Futtermittelindustrie in die Pflicht nimmt. Die Zulassung für Futtermittelproduzenten muss verschärft und für eine strikte Trennung der Produktionsbereiche in futtermitteltaugliche und technische Rohstoffe gesorgt werden, um Verunreinigungen auszuschließen. Eine verbindliche Positivliste für unbedenkliche Futtermittelkomponenten, die Hersteller verwenden dürfen, ist ebenfalls richtig. Die gesetzlichen Dioxin-Überwachungsinstrumente müssen verbessert und ausgeweitet werden. Bei der Strafverfolgung betrügerischer Futtermittelpanscher braucht es stärkere Strafen und Haftung. Der gute Wille der EU, über Verbesserungen bei der Lebensmittelsicherheit nachzudenken und die Vorschläge der Bundesregierung zu prüfen, ist zu begrüßen. Ob aus Spanien oder Niedersachsen, ob Bio oder konventionell, – alle Lebensmittel müssen schadstofffrei sein. Gute Qualität hat aber auch ihren Preis. Wir Verbraucher können mit unserem Verhalten dazu beitragen, den Preisdruck in dieser Branche abzubauen und so auch selbst zur Lebensmittelsicherheit beitragen.

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