14.10.2011 Pate für das Leben

Kolumne von PStS Annette Widmann-Mauz MdB im Schwäbischen Tagblatt vom 14. Oktober 2011

Seien wir ehrlich, wer beschäftigt sich gerne mit dem eigenen Sterben? Der Tod wird gern ausgeklammert und bei der eigenen Lebensplanung verdrängt. Versagen aber plötzlich Herz, Leber oder Nieren, sei es durch schwere Krankheit oder Unfall, kommt man an dem Thema nicht mehr vorbei. Am Ende hilft oft nur noch eine Organtransplantation. Dankbarkeit wäre gar kein Ausdruck, für das, was ich empfände, wenn ich auf eine Organspende angewiesen wäre und mein Leben dadurch gerettet werden könnte.
Rund 12000 Betroffene warten aktuell zwischen Hoffnung und Verzweiflung auf eine Transplantation. 1296 Menschen haben 2010 nach ihrem Tod Organe gespendet. Das sind 79 Spender mehr als 2009, aber täglich sterben ca. drei Patienten, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Während sich 75% der Menschen in Umfragen positiv zur Organspende äußern, haben aber nur 25% der Bundesbürger einen Organspendeausweis.
Ein Ja zur Organspende ist ein Zeichen menschlicher Solidarität und Nächstenliebe. Ich selbst habe seit vielen Jahren einen Spendeausweis. Das Wissen, nach dem Tod, bis zu sieben schwerkranken Menschen eine neue Lebenschance zu ermöglichen, hat mich dazu bewogen. Wer sich bereit erklärt, Organe zu spenden, übernimmt eine Art Patenschaft. Er wird zum Paten für ein zweites Leben! Er ist bereit, etwas von sich zu geben und damit Neues zu ermöglichen: Hoffnung, Gesundheit, Zukunft! Die Kampagne "Organpate werden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung greift diesen Gedanken auf, um die Kluft zwischen grundsätzlicher Zustimmung und tatsächlicher Spendebereitschaft abzubauen.
Der Entschluss Organspender zu werden, fällt vielen nicht leicht. Er darf deshalb nicht vorausgesetzt oder verordnet werden, sondern muss freiwillig bleiben. Nur so entsteht Vertrauen, aus der eine Patenschaft lebt.
Unser Ziel ist es, die Bevölkerung stärker zu sensibilisieren und konkrete Möglichkeiten zur persönlichen Information und Entscheidung zu schaffen. Wir wollen die Krankenkassen bei der Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte verpflichten, die Versicherten über das Thema zu informieren und darum zu bitten, sich zur Organspende zu äußern. Wichtig ist dabei, jede Entscheidung zu respektieren, auch die, sich nicht entscheiden oder überhaupt damit befassen zu wollen. Nehmen Sie sich die Zeit darüber nachzudenken. Ihr Leben und das Ihrer Mitmenschen sind es wert.

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