Zeitzeugen-Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

Phoenix-Interview

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Bundeskanzlerin Angela Merkel blickte im Phoenix-Interview auf ihren Lebensweg in der früheren DDR und auf ihre zwanzigjährige politische Karriere zurück. Die historische Umbruchzeit 1989/90 ging für die Kanzlerin auch mit einem ganz persönlichen Wandel einher: von den Naturwissenschaften hinein in die Politik. Dabei kamen der jungen Physikerin ihre technischen Kenntnisse durchaus zupass: Beim Demokratischen Aufbau installierte sie zunächst die neuen Computer und richtete das EDV-Netzwerk ein. Bereits im Februar 1990 übernahm Merkel die politische Sprecherfunktion.

Diese Aufgabe bereitete die heutige Kanzlerin auf das Amt der stellvertretenden Regierungssprecherin unter Ministerpräsident Lothar de Maizière vor, das sie nach der ersten freien Volkskammerwahl antrat. Rückblickend eine aufregende Zeit: "Das war ein ziemliches Abenteuer. Wir haben alles gelernt zwischen März und September und am 3. Oktober war schon die Deutsche Einheit". Nach der ersten gesamtdeutschen Wahl folgte  das erste Ministeramt. Mit 36 Jahren wurde Angela Merkel am 18. Januar 1991 als Ministerin für Jugend und Familie vereidigt. Eine große Herausforderung, die viel Neues mit sich brachte, erinnerte sich die Kanzlerin schmunzelnd.
 
Um eine solche politische Herausforderung in jungen Jahren erfolgreich meistern zu können, sei es wichtig, nicht abzuheben. Mit dem Amt als Umweltministerin kam das politische Handeln in einem internationalen Umfeld hinzu. Eine Erfahrung, die ihr heute noch als Kanzlerin zu Gute komme.

"Ich bin eine sehr zielausgerichtete Arbeiterin"

Ihren Führungsstil charakterisierte die Kanzlerin nicht als "moderieren", sondern als "sehr zielorientiertes Arbeiten". In diesem Zusammenhang bekannte sie sich zum Motto eines ihrer Amtsvorgänger: "Entscheidend ist, was hinten herauskommt und nicht, wie man es erreicht hat". In schwierigen Zeiten, wie zuletzt in der Wirtschafts- und Finanzkrise, erwarteten die Menschen vor allem zweierlei: Präsenz und Aussagen. Offenbar sei dieser Stil bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht "ganz so schlecht" angekommen. Schließlich sei ihr die Wiederwahl gelungen. Darauf sei sie durchaus "ein kleines bisschen stolz", versicherte die Regierungschefin. In der DDR habe sie sich angewöhnt, nichts zu versprechen oder zu verschweigen, mit dem man unter Druck geraten könne. Sie gehöre zu der "Gruppe von Leuten, die versuchen zu sagen, bedenke das Ende und überlege dir die verschiedenen Schritte".

"Der Umgang mit der Geschichte verbietet Schlussstriche"

Mit Blick auf die Stasi-Aufarbeitung sei Deutschland "etwas sehr Einzigartiges gelungen", sagte die Kanzlerin weiter. "Wir haben es nämlich geschafft, einerseits für die Opfer Transparenz zu bekommen, indem sie ihre Akten einsehen können, zweitens für die Wissenschaft eine Möglichkeit zu haben, auch die Zeit zu bearbeiten, und trotzdem keine Kluft in der Gesellschaft auftauchen zu lassen". Deshalb sollte auch in Zukunft die Eigenständigkeit der Birthler-Behörde gesichert werden. In keinem Fall dürfe es eine Veränderung bezüglich des Zugangs geben, "weder für die, die wissenschaftlich daran arbeiten noch für die, die als Betroffene Einsicht wollen". Schlussstriche dürfe es nicht geben.

Wir wollen, dass Afghanistan selbst für seine Sicherheit sorgen kann

Die Afghanistan-Konferenz in London in der nächsten Woche will Bundeskanzlerin Merkel nutzen, um Bilanz zu ziehen: "Was haben wir in den Bereichen, die wir verantworten - gerade im Norden Afghanistans - schon erreicht bei der Schulausbildung, beim Straßenbau, beim Zugang zu Energie und Wasser? Und was wollen wir und glauben wir, müssen wir noch erreichen und wie können wir das schaffen?" Ziel sei es, dass Afghanistan selbst für seine Sicherheit sorgen könne. Mit der Äußerung der EKD-Vorsitzenden Käßmann zu Afghanistan könne sie "sehr gelassen umgehen, weil ich mich auch nicht genötigt fühle, das alles zu teilen". In einem demokratischen Staat sollte "die Einmischung in aktuelle politische Fragen begrüßt werden von der Politik".

Die Welt kann ihre Probleme nur gemeinsam lösen

Die Ergebnisse des Kopenhagener UN-Klimagipfels bezeichnete die Kanzlerin als "enttäuschend". Dennoch müsse man nach vorne schauen. Es gelte jetzt auszuloten, ob mehr Staaten für "verbindliche internationale Abkommen" begeistert werden könnten. Verständnis äußerte Merkel für die Länder, für die es "völliges Neuland" sei, nationale Kompetenzen abzugeben. Für die Europäer sei dies einfach, weil sie schon viel Verantwortung nach Brüssel gegeben hätten. Dennoch müssten auch unterschiedliche Verantwortlichkeiten international verbindlich verankert werden. Schließlich könne nicht jeder machen, was er will.

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